CONCORDIA hilft auch in abgelegenen Dörfern
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Wo die Not am größten ist – die Concordia-Winternothilfe in Moldau

Das Thema scheint weit weg, doch auch in Europa herrscht noch bittere Armut. CONCORDIA Sozialprojekte setzt sich besonders für Kinder und Jugendliche in Not ein. Ein Schwerpunkt: Moldau. Wir sprachen mit Geschäftsführer Bernhard Drumel über die Arbeit der Hilfsorganisation.

Lesedauer: 5 Min.

Die ärmsten Länder Europas

Moldau? Vor dem Jahr 2022 wussten die meisten Menschen in Mitteleuropa wahrscheinlich noch nicht einmal, wo sich dieses Land befindet. Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine ist es plötzlich ins Blickfeld geraten. Das kleine Moldau grenzt an die Ukraine und hatte zeitweise, gemessen an der Bevölkerung, so viele ukrainische Flüchtlinge aufgenommen wie kein anderes Land. Dabei gehört Moldau zusammen mit dem Kosovo zu den ärmsten Ländern Europas. Und die Armut wächst: Zwischen 2021 und 2022 stieg der Anteil der von Armut betroffenen Menschen von 24,5 auf 31 Prozent.

Bernhard Drumel kennt die Not aus eigener Anschauung. Es handelt sich in Moldau, wie er sagt, um eine „stille Armut” – anders als in Rumänien und Bulgarien, wo es große Elendsviertel gibt, in denen die CONCORDIA ebenfalls aktiv ist. In Moldau ist die Armut eher auf dem Land, in abgeschiedenen Dörfern zu Hause. Hier leben viele Menschen noch ohne fließendes Wasser, vereinsamt und in verfallenen Häusern.

Bernhard Drumel

Zur Person:
Bernhard Drumel kann man beneiden: Sein Beruf ist es, die Welt ein bisschen besser zu machen. Seit 2020 ist Drumel Geschäftsführer der CONCORDIA Sozialprojekte. Der gelernte Jurist war zuvor schon in leitender Funktion bei Greenpeace und dem World Wildlife Fund tätig. Er ist außerdem als Berater für andere Hilfsorganisationen aktiv.

Ein Land verliert Menschen

Ein großes Problem in Moldau ist die Abwanderung. Junge, arbeitsfähige und gut ausgebildete Moldauer wandern aus. Oder arbeiten einen großen Teil des Jahres in Ländern der Europäischen Union, beispielsweise im benachbarten Rumänien. Zurück bleiben die Alten und – die Kinder. Kinder werden von Großeltern betreut, kommen in Heimen oder in Pflegefamilien unter, werden aber oft auch sich selbst überlassen. „Da kommen die Eltern einmal im Monat und ansonsten passt eine 13-Jährige auf die jüngeren Geschwister auf”, berichtet Drumel.

Sozialzentrum in Tudora: Hier werden auch alte Menschen aufgenommen, um die sich niemand kümmert.
Sozialzentrum in Tudora: Hier werden auch alte Menschen aufgenommen, um die sich niemand kümmert.

Ein großes Problem in Moldau ist die Abwanderung. Junge, arbeitsfähige und gut ausgebildete Moldauer wandern aus. Oder arbeiten einen großen Teil des Jahres in Ländern der Europäischen Union, beispielsweise im benachbarten Rumänien. Zurück bleiben die Alten und – die Kinder. Kinder werden von Großeltern betreut, kommen in Heimen oder in Pflegefamilien unter, werden aber oft auch sich selbst überlassen. „Da kommen die Eltern einmal im Monat und ansonsten passt eine 13-Jährige auf die jüngeren Geschwister auf”, berichtet Drumel.

So hilft CONCORDIA

CONCORDIA hat sich innerhalb von 20 Jahren zur größten Hilfsorganisation in Moldau entwickelt. 230 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind an 54 Orten im Land aktiv. In zehn Gemeinschaftszentren in sich selbst überlassenen Dörfern werden vernachlässigte Kinder tagsüber verpflegt und betreut. Diese Zentren bieten auch Wohnplätze für alte Menschen, die niemanden haben, der sich um sie kümmert oder dienen als Treffpunkt für ukrainische Geflüchtete. Außerdem leisten mobile Teams der CONCORDIA Unterstützung für Menschen zu Hause.

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Die Winternothilfe:

Im Winter ist die Not armer Familien in Moldau besonders drückend. Deshalb verteilt CONCORDIA über die Wintermonate monatlich Hilfspakete mit Lebensmitteln, Sanitärprodukten und Brennholz an bedürftige Familien und alte Menschen. Das Ziel ist, auf diese Weise 10.000 Menschen durch die kalte Jahreszeit zu bringen. Wüstenrot unterstützt die Winternothilfe für Moldau und bittet auch Kunden und Mitarbeiter um einen Beitrag. Auf dieser Seite können sie für die CONCORDIA spenden: www.concordia.or.at/spenden/partner/

Es begann in Bukarest

Die CONCORDIA wurde in den 1990er-Jahren von einem Jesuiten-Pater gegründet, der nach Bukarest entsandt worden war. Dort kümmerte er sich um Straßenkinder, die zu dieser Zeit teilweise in Abwasserkanälen hausten. Ein Haus an der Piață Concordiei, dem Concordia-Platz, wird namensgebend für die neue Soziale Organisation. Getreu dem selbst gesetzten Motto dort zu helfen ”wo die Not am größten ist”, weitet CONCORDIA ihre Angebote später auf Bulgarien, Moldau und schließlich auch den Kosovo aus. Die Jesuiten seien weiterhin ”wichtige Wegbegleiter”, sagt Bernhard Drumel. Trotzdem ist CONCORDIA heute eine unabhängige und nicht konfessionell gebundene Organisation.

Kinder aus dem Dorf und aus der Ukraine geflüchtete Kinder spielen gemeinsam.
Kinder aus dem Dorf und aus der Ukraine geflüchtete Kinder spielen gemeinsam.

Hilfe mit Haltung: Kindern „Flügel verleihen”

Wenn Bernhard Drumel über die Ziele der Concordia bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen spricht, wird deutlich: Hier spricht jemand nicht von seinem Job, sondern von einer Berufung. CONCORDIA möchte den jungen Menschen ein Grundvertrauen vermitteln, ein Vertrauen in die eigene Wirksamkeit, und ihnen so einen Zugang zu Bildung ermöglichen. Drumel nennt das „den Kindern Flügel verleihen”. Dazu gehört für ihn, den Kindern und Jugendlichen „Spiritualität” als wichtige Stütze nahezubringen, ihnen eine „Quelle aufzumachen”, die sie stärkt. Der christliche Hintergrund der CONCORDIA bleibt spürbar, auch wenn Drumel selbst lieber von einem „humanistischen Menschenbild” spricht.

Raus aus dem Teufelskreis

CONCORDIA begleitet ihre jungen Schützlinge jeweils über mehrere Jahre – und das auch, wenn sie „mal stolpern", betont Drumel. Stolz berichtet er von einem Tageszentrum im Kosovo, wo es mittlerweile gelingt, fast alle betreuten Kinder durch die Schule zu bringen.
 

Gerade in abgehängten Roma-Gemeinden, weiß Drumel, ist Bildung der einzige Weg zu einem selbstbestimmten Leben, der einzige Weg, einem Teufelskreis aus Ausgrenzung und Armut zu entkommen, der sich über Generationen hinweg verfestigt hat. Es ist oft harte Überzeugungsarbeit nötig, um Eltern dazu zu bewegen, diesen Teufelskreis zu durchbrechen und ihre Kinder besser zur Schule als beispielsweise zum Betteln zu schicken – oder, wie im Kosovo oft noch üblich, Töchter mit 13 Jahren zu verheiraten.

FAQ – häufig gestellte Fragen

Wie finanziert sich die CONCORDIA Sozialprojekte?
CONCORDIA Sozialprojekte ist abhängig von Spendengeldern. Die Organisation finanziert sich jeweils zu einem Drittel von privaten Spenden, Spenden von Unternehmen und von staatlichen Zuwendungen.

Das macht CONCORDIA Sozialprojekte mit Spendengeldern?
Laut Wirkungsbericht für 2022 fließen 83 Prozent der Gelder direkt in die Programmarbeit, 11 Prozent werden für Spendenwerbung und Informationsarbeit und nur sechs Prozent für die Verwaltung verwendet.

Warum kann ich sicher sein, dass mein Geld dort ankommt, wo die Not am größten ist?
Das Österreichische Spendengütesiegel für die CONCORDIA Sozialprojekte belegt, dass sie mit den ihr anvertrauten Geldern sorgfältig und verantwortungsvoll umgeht und stellt sicher, dass Spendengelder zweckbestimmt und wirtschaftlich eingesetzt werden. Um das Siegel zu erlangen, müssen ein strenges Prüfverfahren durchlaufen und hohe Standards erfüllt werden.

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