Über Jahrtausende hielten Menschen Tiere vor allem wegen ihres praktischen Nutzens, als Nahrungsquelle, Arbeitstiere oder Transportmittel. Im 20. Jahrhundert wurden Haustiere zu Lebensgefährten und Familienmitgliedern. Wir erzählen die erstaunliche Entwicklung der Haustierhaltung in Österreich.
In Österreich hält fast die Hälfte der Haushalte (rund 46 Prozent) mindestens ein Haustier. Die beliebtesten Gefährten sind Katzen, gefolgt von Hunden. Auf Platz drei liegen Nagetiere wie Kaninchen, Meerschweinchen und Mäuse; auch Fische, Vögel und Reptilien tummeln sich in österreichischen Haushalten.
Die Beziehung zwischen Menschen und Tieren ist in Österreich also eng. Doch zu den Haustieren zählen auch Kuh und Schaf, Schwein und Huhn. Doch die möchten nur die wenigsten in der Wohnung um sich haben. Stattdessen halten wir diese Nutztiere als Eier- oder Fleischproduzenten meist unter traurigen Bedingungen.
In diesem Beitrag geht es um die Heimtiere, die uns im Alltag begleiten und denen wir uns emotional verbunden fühlen. In den vergangenen hundert Jahren ist ihre Zahl stark gestiegen – und die Beziehung zu ihnen enger geworden.
Das erste Haustier war der Hund. Seine Domestikation begann schon vor etwa 15.000 Jahren, schon bevor Menschen sesshaft wurden, um Ackerbau und Viehzucht zu betreiben. Die Vorfahren des Hundes waren Wölfe. Die näherten sich vermutlich auf der Suche nach Essensresten menschlichen Lagern, und die Menschen entdeckten, dass sie von der Wachsamkeit der Tiere profitieren konnten. Es entwickelte sich eine symbiotische Beziehung, aus dem scheuen Wolf wurde ein treuer Begleiter, der bei der Jagd half, Herden hütete und Siedlungen bewachte.
Vor rund 10.000 Jahren zähmten Menschen dann Schafe, Ziegen, Schweine und Rinder – die Grundlage für Landwirtschaft und Sesshaftigkeit. Ungefähr zur gleichen Zeit wandelte sich die Wildkatzen zur Hauskatze. Sie war als Mäusefänger für die Getreidespeicher der frühen Bauern willkommen. Sie ging eine ähnlich enge Verbindung mit dem Menschen ein wie der Wolf beziehungsweise Hund. Die alten Ägypter verehrten sie als heiliges Tier und brachten sie mit Göttinnen in Verbindung.
Erst spät, ab dem vierten Jahrtausend, begann die Zähmung der Pferde. In China werden seit dem 9. Jahrhundert Goldfische zur Zierde gezüchtet – ein früher Hinweis darauf, dass Tiere nicht nur aus praktischen Gründen gehalten werden.
Im Zuge der Industrialisierung zogen viele Menschen in die Städte, die meisten, um dort in Fabriken zu arbeiten. Die neuen Stadtbewohner hielten in kleinen Gärten oder Ställen in Hinterhöfen Hühner, Schweine und sogar Kühe. Pferde wurden ohnehin für Pferdefuhrwerke, Kutschen und zum Ziehen der ersten Straßenbahnen gebraucht. Streunende Hunde wurden wegen der Verbreitung der Tollwut zur Gefahr. Auch die Nutztierhaltung wurde zu einem hygienischen Problem. In den wachsenden und enger werdenden Städten war für sie kein Platz mehr. Das Schlachten wurde in großen Schlachthöfen am Stadtrand konzentriert. Große Nutztiere verschwanden aus dem Stadtbild – zuletzt auch die Pferde, als Auto, Straßen-, Stadt- und U-Bahnen den Verkehr übernahmen.
Doch ganz ohne Tiere wollten die Menschen aber nicht leben. Sie wollten auch in der Stadt ein Stück Natur erleben. Heimtiere zogen ins Wohnzimmer ein – ein ganz neues Phänomen.
Um die Tollwutgefahr einzudämmen und die Zahl der Hunde zu begrenzen, mussten für sie im 19. Jahrhundert zunehmend Abgaben gezahlt werden. Die Züchtung von Hunden entwickelte sich zu einem Privileg der wohlhabenden Schichten. Promenadenmischungen verschwanden, Rassehunde wurden zum Statussymbol. Zuchtvereine bemühten sich, bestimmte Merkmale zu verstärken. Dieser Trend entsprach den Vorstellungen der damaligen Zeit von grundlegenden Unterschieden zwischen Rassen – sowohl bei Tieren als auch bei Menschen. Man glaubte, dass es ursprünglich reine und edle Rassen gegeben habe, die durch Vermischung degeneriert und durch Züchtung wieder erschaffen werden können.
Für die einfachen Leute am Stadtrand von Wien beispielsweise war dagegen die Züchtung von Kleingetier im Hof oder im Kleingarten eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Sie nutzten und schätzten ihre Tauben und Kaninchen aber auch als Fleischlieferanten.
Parallel zur veränderten Wahrnehmung von Haustieren entwickelte sich auch ein Bewusstsein für Tierschutz. Der erste Tierschutzverein in Österreich gründete sich im Jahr 1846, eine der ältesten Tierschutzorganisationen Europas.
Ein Bundesgesetz stellte 1925 erstmals das Tier um seiner selbst willen unter Schutz. Zuvor gab es nur ein Gesetz, dass darauf abzielte, vor allem Frauen und Kindern den Anblick von Tierquälerei zu ersparen. Das neue Gesetz verbot nun das boshafte Quälen, das rohe Misshandeln und das rücksichtslose Überanstrengen von Tieren, unabhängig davon, ob die Quälerei in der Öffentlichkeit oder im Verborgenen passiert.
Die Haltung von Tieren rein zur Freude war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert noch selten. Besonders in ländlichen Gebieten Österreichs hatten Hunde und Katzen und oft noch eine funktionale Rolle und wurden außerhalb des Hauses gehalten. Katzen waren Mäusefänger, Hunde bewachten Haus und Hof.
In bürgerlichen Stadt-Haushalten avancierte der Hund dagegen allmählich zum Familienmitglied. Die unteren Schichten der Stadtbevölkerung hatten für einen Hund in der Regel weder Platz, Zeit noch Geld für Futter übrig. Die Alternative waren Kleintiere. Kanarien, Sittiche und Zierfische wurden schon im späten 19. Jahrhundert populär und passten gut zu kleinen Wohnungen und stillten das Bedürfnis nach etwas Natur in der Stadt.
Mit wachsendem Wohlstand steigt die Zahl der Heimtiere. Die Österreicher ziehen in größere Wohnungen, ein Einfamilienhaus mit Garten wird für breitere Schichten der Bevölkerung erschwinglich. Die Wochenarbeitszeit verringert sich. Immer mehr Menschen können sich so den Luxus eines Hundes leisten und haben auch Zeit, sich um ihn zu kümmern.
Gleichzeitig werden die Familien kleiner, Menschen sind öfter alleine. Das Heimtier leistet Gesellschaft, ersetzt Geschwister, Partner oder berufstätige Eltern. Kleintiere wie Hamster, Meerschweinchen und Kaninchen kommen als kinderfreundliche Haustiere in Mode. Sie entlasten Eltern, die sich keinen Hund oder keine Katze anschaffen wollen oder können, und ermöglichen die als pädagogisch wertvoll erachtete Begegnung zwischen Kind und Tier.
Auch Katzen werden beliebter als Hunde: Sie benötigen keinen täglichen Auslauf und kommen gut allein zu Hause zurecht – ideal für Berufstätige, die in Stadtwohnungen leben.
Die Artenvielfalt nimmt zu. Neben den klassischen Heimtieren finden sich heute auch exotischere Tiere in österreichischen Haushalten, darunter laut Statista rund 130.000 Reptilien.
Das Heimtier wird zum Wirtschaftsfaktor: Es entstehen eine ganze Industrie für den Heimtierbedarf sowie ein Netz von Fachgeschäften und Tierarztpraxen. Tierfutter füllt ganze Supermarktregale.
Heimtiere erfüllen Bedürfnisse nach Gesellschaft und Nähe. Wissenschaftliche Studien belegen die positiven Effekte von Haustieren auf die menschliche Gesundheit und Psyche. 68 Prozent der Hundehalter und 61 Prozent der Katzenhalter sprechen von einem verbesserten Gesundheitszustand durch die Tierhaltung. Für nahezu alle Hundehalter (88 Prozent) und Katzenhalter (83 Prozent) tragen ihre Tiere zu ihrer Lebenszufriedenheit bei (Ohr, Renate: Heimtierstudie 2019, Göttingen). Haustierhalter:innen unterhalten zudem mehr Kontakte zu ihren Nachbarn.
In Kindergärten, Schulen und Pflegeheimen kommen Therapiehunde, auch Therapiebegleithunde genannt, zum Einsatz.
Sie wirken gleichzeitig motivierend und beruhigend. Kinder mit einer Lese- und Lernschwäche sind im Beisein anderer Kinder oft nicht in der Lage, vorzulesen. Sind sie allein mit einem Hund, tun sie es. Alte Menschen werden von Hunden angespornt, sich zu bewegen. Bei Menschen mit Demenz gerät auch der Kopf in Bewegung, Erinnerungen kommen hoch, sie fangen an zu erzählen.
So bereichernd Haustiere sein können, gibt es auch Kritik an der Heimtierhaltung. Die Tierrechtsorganisation PETA kritisiert den Mangel von Hunden an Platz- und Auslauf in kleinen Stadtwohnungen. Menschenmassen und Verkehr in Großstädten setzten Hunde unter Stress. Als Ausgleich reiche eine Rundum den Block nicht aus, sie benötigten regelmäßigen, artgerechten Auslauf in Parks oder Wäldern. PETA lehnt Zucht daher ab und appelliert an Tierliebhaber, Tiere nicht bei Züchter:innen, in Zoohandlungen oder im Internet zu kaufen, sondern Tieren aus Tierheimen ein Zuhause zu geben.
Angesichts des Klimawandels gerät auch der ökologische „Pfotenabdruck" von Haustieren ins Blickfeld – und der ist nicht zu unterschätzen. Die Haltung von Tieren hat einen relevanten Einfluss auf die individuell verursachten Klimabelastungen. Die entstehen vor allem durch den Fleischkonsum beziehungsweise die Futtermittelproduktion für Hunde und Katzen.
Die Geschichte der Heimtierhaltung in Österreich spiegelt einen fundamentalen Wandel in der Beziehung zwischen Menschen und Tieren wider. Was vor Jahrtausenden als pragmatische Partnerschaft zwischen Mensch und Wolf begann, hat sich zu einer emotionalen Bindung entwickelt, die für Millionen Menschen in Österreich zum Alltag gehört. Heute, wo fast jeder zweite österreichische Haushalt ein Haustier besitzt, ist eine verantwortungsvolle Haltung wichtiger denn je. Für echte Tierfreunde haben Tierwohl, artgerechte Haltung und Tierschutz oberste Priorität. Die rechtlichen Rahmenbedingungen in Österreich tragen dem Rechnung und schützen das Tierwohl.
Muss ich in Österreich für einen Hund eine Steuer zahlen?
Ja. In fast allen Gemeinden ist die Hundeabgabe verpflichtend. Es handelt sich um eine Gemeindesteuer, die Höhe legt die Gemeinde fest. Ausnahme: Graz hat die Abgabe mit 1. Jänner 2019 abgeschafft.
Darf ein Vermieter Haustiere in der Wohnung verbieten?
Nein, das österreichische Mietrecht und die Rechtsprechung legen fest, dass Mieter grundsätzlich das Recht haben, Haustiere zu halten., jedoch nicht
bei übermäßiger Beeinträchtigung anderer Hausbewohner:innen, wenn Tiere die Wohnung oder Gemeinschaftsflächen beschädigen oder wenn es sich um exotische oder gefährliche Tiere handelt.
Darf eine Eigentümergemeinschaft Haustiere in der Wohnung verbieten?
Nein, der österreichische Oberste Gerichtshof (OGH) hat entschieden, dass ein generelles Verbot der Haltung von üblichen Haustieren wie Hunden und Katzen in Eigentumswohnungen nicht zulässig ist.
Was muss ich bei der Einreise mit Haustieren beachten?
Für Hunde, Katzen und Frettchen aus EU/EWR brauchst du einen gültigen EU-Heimtierausweis und eine Tollwutimpfung. Bei Einreisen aus Drittstaaten ist eine Tiergesundheitsbescheinigung nötig.
Darf ich in Österreich Reptilien halten?
Ja, aber du musst die Haltung bei der Bezirksverwaltungsbehörde/Magistrat melden und einen verpflichtenden Kurs besuchen, um das nötige Fachwissen für die Haltung von Reptilien und Amphibien zu erwerben.
Welche Tierarten sind als Haustiere verboten?
Als besonders gefährlich eingestufte exotische Wildtiere sind Privatpersonen grundsätzlich verboten, darunter etwa Menschenaffen sowie Groß- und Kleinbären. Bundesländer können weitere Verbote erlassen. In Wien ist die Haltung gefährlicher Reptilien wie Giftschlangen untersagt.