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Hausbau: Wie fertig ist schlüsselfertig?

Häuser in Fertigbauweise sind viel schneller errichtet als ein Massivhaus. Aber kann man dann wirklich schon einziehen? Die Bezeichnung „schlüsselfertig“ verleitet zu falschen Annahmen.

Lesedauer: 3 Min.

Den Schlüssel zum eigenen Haus in die Hand bekommen und sofort einziehen – Traumhaft! Wenn du zu einem festen Termin einziehen möchtest oder musst, keine Zeit für Eigenleistungen hast oder handwerklich nicht begabt bist, dann ist ein schlüsselfertiges Fertighaus eine gute Lösung. Viele Bauherren, die den Begriff „schlüsselfertig“ hören, stellen sich den Ablauf tatsächlich so vor: Haus bestellen, Fertighaus liefern und montieren lassen, Schlüssel entgegennehmen und sorgenfrei loswohnen. Die Realität sieht anders aus. Denn richtig fertig ist das schlüsselfertige neue Haus noch nicht. Was also ist ein „schlüsselfertiges“ Fertighaus?

Höchste Ausbaustufe

Zunächst einmal: Eine rechtliche eindeutige Definition, was zu einem schlüsselfertigen Haus gehört, gibt es nicht. Das heißt, verschiedene Baufirmen können den Begriff unterschiedlich auslegen. Am Ende kommt es auf den Bauvertrag an. Zu dem gehört eine Bau- oder Leistungsbeschreibung. Die erfasst alle Leistungen, die von der Baufirma für den vereinbarten Preis erbracht werden müssen.

Auch der Begriff „bezugsfertig” wird häufig verwendet. Auch der wird gesetzlich nicht definiert. Ein Käufer eines bezugsfertig zugesagten Hauses kann aber erwarten, dass das Haus bei der  Übergabe tatsächlich bewohnbar ist. Im Idealfall geht der Innenausbau bei einem schlüsselfertigen Haus so weit, dass es bezugsfertig ist. Oft ist das aber nicht der Fall und es müssen vor dem Einzug noch einige Arbeiten erledigt werden. Der Begriff „bezugsfertig” bedeutet also etwas mehr als schlüsselfertig.

Eine Orientierung bietet die ÖNORM B 2310, die vom Österreichischen Fertighausverband erstellt wurde. Die Norm definiert den Mindestleistungsumfang für drei verschiedene Ausbaustufen: das „Ausbauhaus“, das „belagsfertige“ und das „schlüsselfertige“ Haus. Letzteres ist die höchste Ausbaustufe. Die darin enthaltenen Leistungen werden in der Norm genau beschrieben. Österreich ist das einzige Land in Europa, das eine solche Norm hat. Alle Verbandsmitglieder müssen ihre Häuser dieser Richtlinie entsprechend anbieten.

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Wände, Fenster, Türen, Heizung und Strom: Die grundliegende Ausstattung ist in einem schlüsselfertigen Haus vorhanden. Alles, was ein Haus wohnlich macht, fehlt aber noch.

Bauvorbereitung

Schon bevor das Fertighaus geliefert wird, gibt es Aufgaben, um die du dich als Bauherr oder die Bauherrin kümmern und für die du die Kosten tragen musst: Genehmigungen, Vermessungsarbeiten und die Erschließung des Grundstücks.

Auch Erdarbeiten, das Fundament, ein Keller und eine Bodenplatte sind nicht notwendigerweise im Leistungsumfang und im Preis enthalten. Du kannst allerdings mit dem Anbieter vereinbaren, dass er diese Arbeiten übernimmt. Die Kosten dafür kommen dann beim Hauspreis obendrauf.

Im schlüsselfertigen Haus inbegriffen

Ein schlüsselfertiges Haus sollte man auf jeden Fall abschließen und bewohnen können. Die Rohbauarbeiten müssen also beendet, Fenster und Türen eingebaut sein. Auch eine funktionsfähige Heizung, Installationen für Wasser, Strom und Abwasser sollte es geben.

Zu den Leistungen bei einem schlüsselfertigen Haus gehören unter anderem:

  • Die Fußbodenunterkonstruktion samt Wärmedämmung und Boden
  • Balkone, Geländer, Stiegen
  • Flüssigkeitsdichte Bäder
  • Sanitärleitungen
  • Verspachtelte, für die Tapezierung vorbereitete Decken und Wandflächen.
  • Bad und WC flüssigkeitsdicht gemacht.
  • Die Elektroinstallation (Verkabelung, Schalter, Stecker, TV-Leerrohre und Unterverteiler samt erforderlicher Sicherungsautomaten.
  • Lieferung und Montage einer Heizungsanlage, aber nicht unbedingt mit Gaszuleitungen, Gaszähler und Rauchabzug. Bei Wärmepumpen mit Tiefenbohrung muss die Bohrung nicht enthalten sein, bei Wärmepumpen mit Erdkollektor die Verlegung.
Fertighäuser in Österreich

Für Fertigteilhäuser ist das Jahr 2022 eine Zäsur gewesen: Im Vergleich zum Jahr davor brach die Nachfrage nach Ein- und Zweifamilien-Fertighäusern um mehr als ein Viertel ein. Der Absatz sank auf insgesamt 2.440 Häuser. Für den Markteinbruch sind zwei Faktoren ausschlaggebend: Erstens, der Rückgang der Baubewilligungen und zweitens bedienen Fertigteilhäuser in erheblichem Ausmaß die Nachfrage der Mittelschicht, die von der Teuerung und den geänderten Finanzierungsbedingungen stärker betroffen ist.

Stroh: Schnell nachwachsend und hochdämmend

Stroh besteht aus trockenen Halmen und Blättern, die beim Anbau beispielsweise von Getreide anfallen. Stroh ist also ein nachwachsender Rohstoff, der nicht mit der Nahrungsmittelherstellung konkurriert. Auch mit Stroh baut die Menschheit seit Urzeiten. Schon beim klassischen Fachwerkhaus wurde es zum Ausfüllen der Holzkonstruktion verwendet. Heute werden im Bau Strohballen eingesetzt.

Der Architekt Georg Bechter aus Langenegg entwarf ein Haus, bei dem riesige Strohballen übereinandergestapelt wurden. Die 120 Zentimeter dicken Strohwände sind lasttragend. Eine Ständerkonstruktion war nicht notwendig. Innen wurden die Strohballen mit Lehm, außen mit Kalk verputzt. Die Wände des Hauses sind deshalb komplett kompostierbar. Auch das Dach wurde mit Stroh gedämmt. Durch die hervorragende Dämmwirkung der Strohwände kommt das Haus ohne moderne Haustechnik aus. Lediglich ein Kachelofen beheizt das rund 175 Quadratmeter große Gebäude. Der Ofen ist so platziert, dass das Schlafzimmer rund zwei Grad kühler ist als der Wohnbereich.

Übrigens: Häuser aus Stroh sind genauso sicher wie Mauerwerksbauten. Denn egal, womit gebaut wird: Die behördlichen Anforderungen an den Brandschutz müssen erfüllt werden. Und das tun sowohl Häuser aus Holz wie aus Stroh.

Du willst noch mehr Informationen, wie du klimafreundlicher bauen kannst? Dann lies unsere Tipps zu Photovoltaiknachhaltigem Heizen und zu ökologischen Dämmstoffen. Die Wüstenrot-Finanzberater beraten dich bei der Finanzierung. Mit der Wüstenrot App kannst du im Handumdrehen deine Wunschrate berechnen und behältst später dein Darlehen im Blick.

Das gehört nicht dazu

Die Anschlüsse für Gas, Wasser und Strom muss der Hausbesitzer bei den  entsprechenden Versorgungsunternehmen selbst beantragen.

Folgende Leistungen können bei einem schlüsselfertigen Haus fehlen, werden  aber von Hausbaufirmen gegen Aufpreis als Zusatzleistung angeboten:

  • Arbeiten im Außenbereich – Garage oder Carport, Gehwege, Zufahrten, Umzäunungen, Antennen und Blitzableiter

  • Maler- und Tapezierarbeiten

  • Fliesenarbeiten

  • Verlegung der gewünschten Bodenbelägen und das Anbringen von Sockelleisten

  • Einbauküche und andere Einbaumöbel

Sprich also mit deinem Fertighausanbieter vorher genau über deine Wünsche und Vorstellungen sowie die von ihm erbrachten Leistungen. Das Paket für dein neues Zuhause lässt sich meistens individuell erweitern. So vermeidest du böse Überraschungen, wenn du dein schlüsselfertiges Haus beziehst.

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