Wer Haut zeigen will, braucht manchmal ein Mückenspray.
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Abenteuer Wildnis: Gefahren durch Tiere und Insekten

Auch in Österreich lauern Gefahren in der freien Wildbahn. MEIN LEBEN sagt dir, worauf du achten musst und welche Folgen Stiche und Bisse haben können.

Lesedauer: 4 Min.

Raus in die Natur - das gehört zum Sommer. Wenn Vögel zwitschern und Kühe auf der Weide grasen, freut sich vor allem der Großstadtmensch. Begegnungen mit Tieren können aber auch unangenehm werden. Wir haben uns die Problemfälle angeschaut - von klein bis groß.

Stechmücken

Mücken können den Aufenthalt im Freien zur Qual machen. Das Problem sind nicht die Schwärme männlicher Tiere, sondern das einzeln fliegende Weibchen. Es durchsticht mit einem Rüssel die Haut und saugt Blut. Um das Gerinnen des Blutes zu verhindern, spritzt es ein Protein ein. Der Körper reagiert darauf mit dem Ausstoß von Histamin, der den Juckreiz und oft auch Quaddeln an der Einstichstelle verursacht.

Stechmücken treten besonders in der Nähe von stehenden Gewässern auf und sind am frühen Abend besonders aktiv. Du schützt dich, indem du rechtzeitig lange Hosen und Oberteile mit langen Ärmeln überziehst. Unbedeckte Haut schützt du mit Repellents. In Innenräumen hältst du dir die Plagegeister mit Gittern aus Draht oder Kunststoff vor den Fenstern und einem Moskitonetz über dem Bett vom Leib. 

Stiche kannst du mit einem Wärmestift behandeln. Sie verringern den Histamin-Ausstoß und lindern so die Symptome.

Stechmücken können Krankheiten übertragen - auch in Europa. Allerdings sind die nicht so schlimm wie die Malaria. Das West-Nil-Fieber befällt neben Tieren gelegentlich auch Menschen. Es kann grippeähnliche Symptome verursachen. In 80 Prozent der Fälle verläuft es aber symptomfrei. Das Chikungunyafieber ist eine tropische Viruserkrankung, die zu Fieber und Gelenkbeschwerden führt. Schlechte Aussichten: Durch den Klimawandel steigt die Infektionsgefahr durch Stechmücken in Mitteleuropa.

Klein aber gefährlich: Zecken

Zecken sind Parasiten. Auf der Suche nach einem „Wirt” bewegen sie sich am Boden, im hohen Gras, im Gebüsch und im Unterholz. Sie klettern auf Pflanzen und lauern auf Wirtstiere. Haben sie sich an einem festgesetzt, ernähren sich von seinem Blut – Männchen mehrere Tage, Weibchen sogar wochenlang. Während dieser Zeit können sie Krankheitserreger an den Wirt übertragen. Für Menschen besonders gefährlich sind die Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Wie du eine Erkrankung erkennst und wie du dich schützt, erfährst du hier.

Erschwischt: Zecken können Krankheiten übertragen.
Erschwischt: Zecken können Krankheiten übertragen.

Bienen, Wespen, Hornissen – Gefahr für Allergiker

Das Gift von Bienen und Wespen, aber auch von Hornissen oder Hummeln, ist erst bei mehreren Hundert Stichen lebensgefährlich. Bei Allergikern dagegen kann bereits ein einziger Stich zu lebensbedrohlichen Reaktionen führen. Nur 0,4 bis 0,8 Prozent der Kinder und etwa 3 Prozent der Erwachsenen gelten als gefährdet. Besonders, wenn die betroffene Person bereits durch frühere Stiche sensibilisiert ist, können allergische Reaktionen ausgelöst werden. Die reichen von Rötungen, Schwellungen und Quaddeln über Übelkeit und Kopfschmerzen bis hin zum lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock. Die Reaktionen treten fast immer innerhalb einer Stunde auf.

Bei allergischen Reaktionen ist eine Behandlung mit entsprechenden Medikamenten notwendig, in schweren Fällen eine notärztliche Behandlung.

Auch bei Stichen im Augen- oder Rachenbereich, besonders bei Kleinkindern, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Bei Bienenstichen solltest du den Stachel sofort entfernen. Die Symptome linderst du durch sofortigen Einsatz eines Hitzestifts und anschließende Kühlung. 

Anders als Bienen sind Wespen äußerst unbeliebt. Doch auch Wespen bestäuben Blüten. Außerdem ernähren sie sich von Blattläusen, Mücken und Fliegen und halten sie uns damit vom Hals.

Von hundert Wespenarten, die in Österreich unterwegs sind, werden nur drei Arten, darunter die Hornissen, besonders im Spätsommer gegenüber Menschen zudringlich und machen sich auch über den Zwetschgenkuchen her. Aber auch diese sind keine Aggressoren. Ihren Stachel benutzen sie für die Überwältigung und Lähmung erbeuteter Insekten. Bei Menschen stechen sie nur zu, wenn sie sich bedroht fühlen und ihre Nachkommen schützen wollen. Im Gegensatz zu den Bienen können sie beliebig oft zustechen und dabei ihr Gift einspritzen. Außerdem werden durch einen Stich weitere Tiere angelockt und zum Stich animiert. Hornissen wirken wegen ihrer Größe besonders furchteinflößend. Ihre Stiche sind aber nicht gefährlicher als die anderer Wespen oder Bienen. Hornissen stehen in Österreich unter Naturschutz. Bewohnte Nester dürfen nur umgesiedelt aber nicht zerstört werden.

Wespennester im Freien dürfen nicht zerstört werden.
Wespennester im Freien dürfen nicht zerstört werden.

Giftige Spinnen

Auch in Österreich gibt es giftige Spinnen. Die Wahrscheinlichkeit einer zu begegnen, ist jedoch sehr gering. Die „Falsche Schwarze Witwe“ oder auch „Paykulls Kugelspinne“ gilt als giftigste Spinnenart in Österreich. Sie war ursprünglich in Südeuropa, im Mittleren Osten und in Afrika zu Hause und breitet sich mittlerweile auch in Österreich aus. Bei der Jagd setzt sie ein Nervengift ein, mit dem sie auch Tiere erlegen kann, die viel größer sind als sie selbst. Sogar für eine Maus oder ein Meerschweinchen könnte ihr Biss tödlich enden.

Einen Menschen kann der Biss der Falschen Schwarzen Witwe immerhin mehrere Tage lang außer Gefecht setzen. Lebensgefahr besteht aber im Normalfall aber keine. Es ist auch sehr unwahrscheinlich, ihr zu begegnen. Sie ist vorwiegend nachts aktiv und flüchtet sich bei Gefahr für gewöhnlich sofort in ihre Höhle. 

Auch die Dornfingerspinne hat sich aus dem Mittelmeerraum stammend in Österreich angesiedelt. Auch ihr Biss ist nicht tödlich, aber schmerzhaft – ähnlich wie bei einem Wespen- oder Bienenstich. Man erkennt ihn an den zwei drei bis fünf Millimeter auseinanderliegenden Malen. Manche Menschen entwickeln eine starke allergische Reaktion auf das Spinnengift. Es kann zu heftigen brennenden, sich ausbreitenden Schmerzen und Schwellungen kommen. In seltenen Fällen auch zu Schüttelfrost, Schwindel, leichtem Fieber, Erbrechen oder Kreislaufversagen. Die Symptome klingen jedoch für gewöhnlich von selbst wieder ab. 

Schleichende Gefahr – Giftschlangen

Wem bei einem Spaziergang eine Schlange über den Weg läuft, der bekommt wahrscheinlich einen Schreck. Doch in unseren Breiten ist die Angst vor Schlangen meist unbegründet. Die am häufigsten bei uns anzutreffende Schlangenart ist beispielsweise die harmlose Ringelnatter. Die Ringelnatter wird über einen Meter lang und lässt sich gut an den gelben, halbmondförmigen Flecken am Hinterkopf zu erkennen. Ihr Oberkörper ist einfarbig - meist grau, manchmal auch bräunlich oder grünlich. Schlangen haben eine wichtige Rolle im Ökosystem: Sie sorgen dafür, dass die Populationen anderer Arten – wie Ratten oder Mäuse – nicht zu stark anwachsen. 

Für den Menschen gefährlich werden kann die Kreuzotter. Sie ist die am häufigsten in Österreich vorkommende Giftschlange. Sie ist über das zentrale und westliche Österreich sowie im Wald- und Mühlviertel verbreitet. Sie bevorzugt Lebensräume mit hoher Luftfeuchtigkeit und starken Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht. Sie fühlt sich daher im Gebirge und in der Ebene in Mooren und Feuchtwiesen wohl. Sie sucht nach sonnigen Plätzen mit der Möglichkeit, sich schnell zu verstecken – wie Waldränder, Geröllfelder oder Heiden.

Die Kreuzotter erkennst du an ihrem auffallenden dunklen Zickzack-Band auf einem grauen, gelben, braunen oder rötlichen Körper. Sie wird bis zu 70 Zentimeter lang. In höheren Lagen gibt es auch schwarze Exemplare mit dem furchteinflößenden Namen Höllenottern.

Das Gift der Kreuzotter ist zwar sehr giftig, wegen der geringen Giftmenge ist ein Biss in der Regel nur für Kinder und ältere Menschen gefährlich. Nach einer Stunde können rund um die Bissstelle eine große Schwellung entstehen. Das Gift kann aber auch zu Atemnot, Herzbeschwerden und sogar Lähmungen führen. Manchmal sind die Symptome aber auch so schwach, dass Menschen gar nicht merken, wenn sie gebissen werden.

Die giftigste Schlange in Österreich ist die Sandviper oder europäische Hornotter. Sie ist jedoch ruhig und nicht angriffslustig, solange man sie in Ruhe lässt. Die etwa einen Meter lange Hornotter ist an dem kleinen Horn auf der Schnauze und dem kräftigen schwarzen Zickzack-Muster auf ihrem Rücken zu erkennen. Sie hält sich in trockenem und steinigem Buschland, in Geröll- und Blockhalden, lichten Wäldern und Trockensteinmauern auf. In Österreich kommt sie nur noch selten in Kärnten, in der Südsteiermark und Teilen Osttirols vor.

Bei einem Biss kann es zu starken Blutungen an Unterhautgeweben und inneren Organen kommen. Dazu kommen Herzklopfen, Kopfschmerz, Schwäche- und Schwindelgefühl, Erbrechen, Bauchkoliken und Kreislaufzusammenbrüche. Auf Kinder oder geschwächte Personen kann der Biss der Viper auch tödlich wirken.

Um einen Schlangenbiss auszuschließen, trage im Wald und auf Wiesen knöchelhohe Schuhe. Nach einem Schlangenbiss sollte der gebissene Körperteil ruhig gestellt werden. Ein Abbinden des Körperteils oder das Aussagen der Bissstelle ist nicht zu empfehlen. 

Bei stärkeren Symptomen sollte die betroffene Person in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Hier kann beispielsweise durch ein Antiserum die Symptome zum Abklingen gebracht werden.

Besonders für für Kinder und ältere Menschen gefährlich: Kreuzotter (Vipera berus)
Besonders für für Kinder und ältere Menschen gefährlich: Kreuzotter (Vipera berus)

Tollwut

Die Tollwut ist eine Erkrankung des zentralen Nervensystems, die durch das Rabiesvirus ausgelöst wird. Menschen können sich durch den Biss oder den Speichel eines infizierten Tieres vor allem von Hunden und Katzen anstecken. Die Tollwut gilt in Österreich und in allen angrenzenden Nachbarländern als ausgerottet. Nicht auszuschließen ist weiterhin eine Übertragung durch Fledermäuse.

Raub-und Wildtiere

Die Braunbären sind laut WWF in Österreich ausgestorben. Sie halten sich höchsten besuchsweise bei uns auf. Wölfe dagegen erobern sich die Alpen zurück. Etwa 40 Exemplare leben in Österreich, im Waldviertel auch schon im Rudel. Wölfe spielen eine wichtige Rolle für die natürliche Auslese von Wildtieren. Sie bemerken und erbeuten kranke oder schwache Tiere. Aber sie sind auch eine Gefahr für Schafe und Ziegen. Daher ist ihre Wiederansiedlung umstritten.

Müssen sich Wanderer Sorgen machen? Eine Begegnung mit einem Wolf ist unwahrscheinlich. Vor Menschen hat das Raubtier in der Regel Angst und geht ihm aus dem Weg. Kaum jemand wird Wölfe bemerken, wenn sie in der Nähe sind. Es kommen aber auch Angriffe auf Menschen vor - vor allem von tollwütigen Wölfen. In Österreich ist die Tollwut ausgestorben. 

Auch Wildschweine können Wanderern einen gehörigen Schreck einjagen. Sie kommen in den Flachland- und Augebieten bis zum Mittelgebirge des Voralpenlandes vor und fühlen sich auch in den Alpen zunehmend wohler. Sie haben sich in den letzten Jahrzehnten stark vermehrt. Grundsätzlich sind Wildschweine friedliche Tiere. Vor Menschen haben sie Angst und meiden ihre Nähe. Dass ein Mensch im Wald von einem Wildschwein angegriffen wird, passiert äußerst selten. Am größten ist die Wahrscheinlichkeit in der Paarungszeit zwischen Oktober und März. Kontakt zu Frischlingen solltest du unbedingt vermeiden. Das Muttertier könnte die Annäherung als Gefahr einschätzen - und angreifen. Triffst du auf Wildschweine, verhalte dich ruhig und entferne dich langsam. 

Und schließlich sollte die Alpkuh nicht unterschätzt werden. Sie ist nicht so friedlich wie ihre Stall-Artgenossen und kann, wenn sich 750 Kilo Masse in Bewegung setzen, einige Wucht entwickeln. Wanderer sollten also besser ausreichend Abstand zur Herde halten.

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