Besondere Anlässe erfordern besonderen Schmuck. Kaum jemand weiß das besser als der Juwelier A.E. Köchert. Seit nunmehr sechs Generationen stellt das Familienunternehmen hochwertige Kollektionen in Handarbeit her, die seit über 200 Jahren nicht nur die Geschichte überdauern, sondern sie auch miterzählen.
Wer die funkelnden Sterne am Porträt von Kaiserin Sisi kennt, kennt auch A.E. Köchert. Seit über 200 Jahren fertigt das Juwelierunternehmen bereits besondere Schmuckstücke in seiner Werkstatt in Wien an und zählte im Laufe der Geschichte Kaiser:innen, König:innen und Fürst:innen zu seiner Kundschaft. Heute sind die Kund:innen zwar weniger adelig, doch nach wie vor König im Familienbetrieb, der in der sechsten Generation betrieben wird. Dies hat ihm als einziges Unternehmen in Österreich die Aufnahme in den Kreis der „Hénokiens“ eingebracht, einer exklusiven Vereinigung von Unternehmen in Familienhand, die 200 oder älter sind.
Ob im Stammhaus in Wien, wo der Schmuck angefertigt wird, oder in der Filiale in Salzburg – Köchert schafft es mit Weitblick und Innovationsgeist, die eigenen Traditionen hochzuhalten.
Wie das gelingt, erzählt Geschäftsführer Florian Köchert im Interview.
Wirtschaftlicher Erfolg ist vielschichtig und von zahlreichen Faktoren abhängig. Doch wenn ein Unternehmen 100 Jahre und mehr besteht, lohnt es sich, genauer hinzuschauen: Welche Strategien, Werte und Prinzipien tragen zu diesem außergewöhnlichen Erfolg bei?
Die 100-jährige Geschichte von Wüstenrot zeigt eindrucksvoll, dass nachhaltiges Wachstum vor allem durch Kundennähe, kontinuierliche Innovationskraft und ein verantwortungsbewusstes Produktangebot gelingt.
Im Rahmen unseres Jubiläums möchten wir deshalb gemeinsam mit anderen traditionsreichen Unternehmen aus Österreich und der ganzen Welt den Erfolgsfaktoren auf den Grund gehen. Diese Gespräche geben Einblicke in bewährte Erfolgsrezepte, die Generationen verbinden und den Herausforderungen der Zeit trotzen.
Ihr Unternehmen existiert seit 1814. Was waren die großen Meilensteine und Wendepunkte der über 200-jährigen Unternehmensgeschichte?
Ein altes Sprichwort sagt: „Die erste Generation baut auf, die zweite Generation erhält und die dritte Generation verprasst.“ Unser Unternehmen befindet sich zum Glück schon in der sechsten Generation. (lacht)
Ein Meilenstein war auf jeden Fall die Verleihung des Hoflieferanten-Titels 1832 durch das Kaiserhaus sowie einige Jahre später des Kammerlieferanten-Titels: Das Besondere ist, dass dabei der Lieferant bis zu den Gemächern vordringen darf. Pro Branche gab es immer nur einen, dem diese Ehre zuteilwurde – es war also eine große Auszeichnung für unser Haus. Deshalb tragen wir das „K.U.K. Hof- und Kammerjuwelier“ auch heute noch in unserem Logo.
Dass wir überhaupt an den Hof gekommen sind, verdanken wir Fürst Metternich, der sich für uns stark gemacht hat. Es gab zu dieser Zeit nicht viele gute Lieferanten vor Ort und deshalb war es dem Kaiserhaus ein Anliegen, diese kleine Anzahl aufzubauen.
Ein wichtiger Moment war natürlich auch der Auftrag von Kaiser Franz Joseph zur Anfertigung der berühmten Diamantsterne für Sisi. Es sollten übrigens genau 27 Sterne sein. Warum genau diese Zahl – darüber gibt es einige Spekulationen. So etwas auf einem Bild zu tragen war damals sehr unüblich und zugleich die erste Form von einem Statement mithilfe von Schmuck. Das löste wiederum einen wahren Trend aus und alle Damen an den europäischen Höfen wollten plötzlich Gestirne tragen. Langfristig gesehen waren die „Sisi-Sterne“ also ein wichtiger Meilenstein für uns, auch wenn nicht jeder wusste, dass sie aus dem Hause Köchert stammten.
Dadurch dass uns das Kaiserhaus sein Vertrauen schenkte, kamen außerdem viele Vertreter:innen anderer Höfe für ihre Schmuckstücke zu uns – beispielsweise haben wir ein Diadem für die bulgarische Königsfamilie gemacht oder ein Kreuz, das der Kaiser an Pabst Pius überreichte. Ein Jagdschwert aus unserem Haus ist sogar im Metropolitan Museum of Art in New York ausgestellt.
Die „Sisi-Sterne“ aus dem Hause Köchert bildeten einen wichtigen Meilenstein in der Unternehmensgeschichte. und werden heute noch in vielen verschiedenen Varianten angeboten.
In den über 200 Jahren gab es sicher auch Krisen – welche waren das und wie sind Sie damit umgegangen?
Krisen gab es natürlich, wir haben ja auch die zwei Weltkriege mitgemacht, die uns direkt betrafen.
Nach dem Ersten Weltkrieg haben wir viel mit bunten Steinen gearbeitet, um das Geschäft anzukurbeln. In den Wirtschaftswunderjahren nach dem Zweiten Weltkrieg hatten wir das Glück, dass viele amerikanische Tourist:innen zu uns kamen. Köchert stand nämlich damals in den Travel Guides – das hat uns in der Zeit geholfen.
Aber sehr viele Juweliere schafften diese schwierigen Zeiten nicht so gut. Deshalb gibt es heute auch nicht mehr viele alte Juweliere in Europa, die noch in Familienhand sind.
Sie haben vor einiger Zeit Ihre Filiale in Salzburg eröffnet. Wie kam es dazu?
Bis 2006 hatten wir nur den Standort in Wien, im Dezember 2005 eröffneten wir zusätzlich einen in Salzburg – nach 191 Jahren. Damals trat ich in die Firma ein und hörte, dass in Salzburg in guter Lage ein Geschäft frei wird. Ich war bereit, ins kalte Wasser zu springen und die Filiale aufzubauen. Dazu muss man sagen, dass in Salzburg in der „Saure-Gurken-Zeit“ saisonal zirka vier bis fünf Monate wenig los ist. In Wien ist das anders: Hier gibt es das ganze Jahr über immer Anlässe und viele Stammkunden und -kundinnen.
Das Geschäft in Salzburg hat sich aber sehr gut entwickelt – wir sind heute zufrieden mit der Entscheidung.
Gibt es Werte, Strategien oder Herangehensweisen, die Sie über all die Zeit bis heute beibehalten haben?
Unsere Unternehmensstruktur sichert unseren Fortbestand, denn wir können nicht einfach Anteile verkaufen – die Partner haben immer ein Vorkaufsrecht. Das ist für unsere Zukunft essenziell, weil wir sonst die Kontrolle verlieren würden.
Bei der Produktgestaltung ist unsere wichtigste Strategie, immer unserem Image treu zu bleiben. Wir würden zum Beispiel nie Modeschmuck anfertigen, weil wir immer Echtschmuck gemacht haben. Oder wir würden auch nie auf Silberschmuck umschwenken, da das nicht unserer Linie entspricht.
Wenn Sie an die Zukunft denken: Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen und wie wollen Sie darauf reagieren?
Die Frage der Nachfolge ist auf jeden Fall ein Thema, denn heute wissen wir noch nicht, ob die nächste Generation ins Unternehmen eintreten möchte. Wir haben mit einem Familientag gestartet, bei dem alle Mitglieder aus allen Familienstämmen im Sommer zusammentreffen – dabei haben wir gesehen, dass es theoretisch ausreichend Nachfolger:innen gibt.
Eine Herausforderung ist auch der steigende Goldpreis. Dadurch werden die Produkte immer teurer – das ist ein natürlicher Kreislauf. Vor 20 bis 30 Jahren kostete ein Ehering 400 Euro, jetzt kostet derselbe Ring 900 Euro.
In den letzten Jahren entstand außerdem in unserer Branche ein neuer Bereich: Manche Produzent:innen arbeiten mit Edelmetallen und gezüchteten Diamanten – das ist eine völlig neue Schiene an günstigerem Schmuck. Aber das entspricht nicht unserem Image und unseren Werten, deshalb machen wir bei diesem Trend nicht mit. Es sei denn natürlich, ein:e Stammkund:in wünscht es sich explizit.
Welche Rolle spielt für Sie Innovation?
Gerade im Schmuckdesign ist Innovation immer gefragt. Wir arbeiten gerne mit jungen Designer:innen und zeitgenössischen Künstler:innen zusammen, wie etwa George Condo oder Erwin Wurm. Damit bleiben wir am Puls der Zeit.
Bereits in den 1880er-Jahren haben wir mit Architekt:innen, wie beispielsweise Theophil von Hansen, zusammengearbeitet und dieser Tradition bleiben wir gerne treu.
Welche Zukunftstrends sehen Sie?
Die Menschen sehnen sich nach etwas Greifbarem – also wird der Begriff Regionalität wieder mehr Bedeutung erhalten. Dafür sind wir gut aufgestellt, denn bei uns entsteht der Schmuck im hauseigenen Atelier an unserem Wiener Standort. Dadurch können wir uns gut von den „Flughafenjuwelieren“ abgrenzen.
Wir wissen auch, dass die Menschen etwas Besonderes suchen: besonderen Schmuck für besondere Anlässe. Deshalb ist es wichtig, dass ein Produkt etwas erzählt. Mit einem Schmuckstück beginnt eine persönliche Geschichte.
Was sind Ihrer Ansicht nach die Gründe für den dauerhaften Erfolg Ihres Unternehmens?
Ganz klar, dass wir uns und unserer Linie treu bleiben und wissen, worin wir gut sind. Man muss sich eben immer darüber im Klaren sein, was man macht und was man nicht macht.
Dass wir eine eigene Werkstatt haben, wirkt außerdem sehr vertrauensfördernd, weil wir uns so von 90 Prozent der Juweliere abgrenzen können, die nur Waren zukaufen und nicht selbst produzieren.
Was würden Sie Menschen raten, die heute ein Unternehmen gründen, um mindestens 100 Jahre erfolgreich zu sein?
Der Innovationsgedanke ist wichtig: Man muss versuchen, die eigenen Träume zu realisieren und umzusetzen – sonst läuft man Gefahr, dass Ideen einfach versanden. Außerdem braucht es Mut zum Risiko und Vorsicht zu gleichen Teilen.
Ich habe auch festgestellt, dass die Arbeit im Team vieles erleichtert – am besten durch ein Vier- oder sogar Sechs-Augen-Prinzip. Dadurch läuft man nicht so Gefahr, eine Entscheidung zu treffen, die im Moment zwar persönlich gut erscheint, aber auf lange Sicht ein Fehler ist. Das ist sicher einer der Gründe, warum es uns schon so lange gibt: Wir mussten uns immer mit mehreren Familienmitgliedern absprechen.
Nicht zuletzt ist die Passion für die Materie zentral, denn Produkte sollten immer aus Leidenschaft und Know-how entstehen. Es geht nicht darum, ein per se erfolgreiches Produkt zu schaffen, sondern das Konzept dahinter muss Sinn ergeben und Wissen sowie Erfahrung müssen daraus sprechen. Wenn das Produkt wirklich gut ist und in der Preisgestaltung fair, wird immer jemand daran interessiert sein.
Unternehmen: A.E. Köchert Juweliere Gesellschaft m.b.H.
Branche: Juwelier
Gegründet: 1814
Zentrale & Werkstatt: Neuer Markt 15, 1010 Wien
Standorte: Alter Markt 15, 5020 Salzburg
Mitarbeiteranzahl: 20